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Porzellan
Handwerk, formschön

Handwerk, formschön

In Krefeld an der Fachhochschule Niederrhein lernte ich, Gefäße nicht nur als Hohlräume zu verstehen. Heute, im Zeitalter der Oberfläche, scheint es mir geradezu eine Pflicht, mein Tun mit Inhalten zu füllen – und so gestalte ich auch meine Keramiken auf der Töpferscheibe als etwas Fassendes und Bewahrendes, Gebendes und Spendendes - seien es nun Teller oder Tassen, Vasen für Blumen oder für sakrale Aufgaben, für Obst oder Wein, Sand oder Honig …

So begleiten mich bei der Fertigung von Gefäßen immer zwei „Geschichten“, an die ich dann denke: Der Töpfer muss der Dinglichkeit der Dinge näher und näher kommen. Wenn man also einen Topf entwerfen will, muss man versuchen, zu verstehen, was die Topfigkeit eines Topfes ist. Was macht den Topf zum Topf? Das ist extrem wichtig. „Der Töpfer verfertigt den irdenen Krug aus der eigens dafür ausgewählten und zubereiteten Erde. Aus ihr besteht der Krug.“

Diesen Krug bezeichnet Heidegger als Gefäß, das etwas in sich fasst. Das Fassende des Gefäßes besteht wesentlich aber nicht im Boden und in der Wand, sondern in der Leere des Kruges: „Wir gießen den Wein höchstens zwischen die Wandung auf den Boden. Wandung und Boden sind wohl das Undurchlässige am Gefäß. Allein das Undurchlässige ist noch nicht das Fassende. Die Leere, dieses Nichts am Krug, ist das, was der Krug als das fassende Gefäß ist.“ (Martin Heidegger, 1950)

Eine begreifliche Antwort: Ein indianischer Töpfer in Chile hat einen Krug mit einem Muster hergestellt, das einem weißen Besucher gut gefällt. Der Krug soll tausend Pesos kosten. Der Besucher möchte, dass der Töpfer noch neun gleiche Krüge herstellt. Der Töpfer verlangt nicht die erwarteten 10000, sondern 15000 Pesos. Auf die erstaunte Frage des Weißen antwortet der Töpfer: “Dass ich immer den gleichen Krug machen muss, das kostet extra.“ (Indianisch)



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